Amanda geht in die Luft - Schriftstellerin Simone Nic

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Amanda geht in die Luft

von Peter
„ Aaaaaaaaaaaaaah! Huuuuch! “, schreit Amanda auf.
 
 
„ Hilfe!“, schallt es gellend auf der anderen Seite. „Da, da, da! Äh! Da ist eine Schnecke drin. Direkt da oben!“ . Völlig aufgelöst und hysterisch zeigt die Frau mit der dicken Brille auf das Gepäckfach über Platz 24d des Fliegers.
 
„ Da, da, da! “, immer wieder zeigt sie dahin.
 
Natürlich werden die anderen Fluggäste an Bord des Fluges Quantas QF74 von San Francisco International nach Sydney International aufmerksam und erschrecken ihrerseits auch.
 
Sofort kommt eine freundliche Flugbegleiterin um zu sehen, was los ist und um zu helfen…
 
 

Rückblende – was war passiert?
 
 
Wir sind auf dem Flughafen von San Francisco. Wie immer herrschen hier mächtiger Betrieb: Eile und das vermeintliche Chaos. Tausende von Menschen wollen zu ihren Flugzeugen, um in den Urlaub oder zur Arbeit zu kommen aber auch, weil sie diese Flugzeuge fliegen oder die Passagiere betreuen. Diese erkennt man immer an den schicken Uniformen. Bei den Männern haben die, mit den meisten goldenen Streifen um den Armen, das meiste zu sagen. Das sind nämlich die Flugkapitäne. Die gibt es natürlich auch als Frauen in ganz chicen Kostümen. Und genau diese wichtigen Leute haben einen eigenen Eingang zum Fluggate. Die müssen sich nicht anstellen. Das wäre ja auch doof, wenn das Flugzeug nicht starten kann, weil der Pilot noch in der Schlange steht. Also genau diesen Eingang hatte sich Amanda ausgeguckt: „Wenn ich neben  dem Koffer des Flugkapitäns fahre  und mich ganz eng an seine Schuhe quetsche, komme ich da unbemerkt durch!“.

 
Also gesagt – getan. Und es hat geklappt! Amanda war auf dem Weg ins Flugzeug. Noch niemals vorher hatte sie so etwas Großes gesehen.

 
„Das Ding ist so groß und schwer, wie soll das denn fliegen?“, wunderte sich die kleine Schnecke. Na, wir werden sehen.
 
„Hm“, denkt Amanda, „wo kann, ich mich nur verstecken, denn es ist sicherlich besser, wenn keiner weiß, dass ich als blinder Passagier an Bord bin!“. Während sie noch so überlegt und sich dabei in eine kuschelige Decke
 
verkriecht, löst sich das Problem von selbst.

 
Eine Stewardess nimmt den Stapel Decken und legt ihn auf die linke Seite im oberen Gepäckfach. Wenn die Fluggäste auf dem langen Flug schlafen wollen, dann können sie sich eine Kuscheldecke nehmen.

 
Auch Amanda war eingenickt, war ja auch verdammt anstrengend bis hierher gewesen. Und so verschwand Amanda im Gepäckfach. Damit sie aber nicht entdeckt würde, krabbelte sie in einer kleinen Schlafpause in die hinterste Ecke und versteckte sich.
 
Die Passagiere kamen dann so nach und nach und begannen das Gepäckfach mit ihren Taschen zu füllen. Deckel auf, Deckel zu und Deckel wieder auf …  . So ging es eine ganze Weile.

 
Dann ertönte eine nette Stimme: „Guten Abend, meine geehrten Damen und Herren, mein Name ist John Mitchel und ich bin ihr Flugkapitän auf dem Weg nach Sydney in Australien. Nach unseren derzeitigen Informationen steht einem pünktlichen Start nichts im Wege. Über alle wichtigen Dinge werden wir sie während unseres 12-stündigen Fluges informieren.“
 
„Na zum Glück habe ich meine kleine Umhängetasche mit Futter vollgepackt“, denkt sich Amanda, als sie das mit den 12 Stunden hört.
 
Jetzt beginnen die Triebwerke des Flugzeuges so richtig laut zu dröhnen. Das Flugzeug hebt ab und ist tatsächlich in der Luft. Nach einigen Minuten ertönt wieder die Stimme des Flugkapitäns: „ Meine Damen und Herren, wir haben jetzt unsere Reiseflughöhe von 10500 Metern erreicht. Die Sicht ist gut und wir haben keine Informationen über Wetterkapriolen während unseres Fluges. Wir wünschen ihnen weiterhin einen angenehmen Aufenthalt.“

 
Die Fluggeräusche hört man in der Kabine nicht so sehr und während Amanda noch über das Wort „Kapriolen“ nachdenkt, kann unsere Schnecke in ihrem Versteck sogar noch verstehen, was unter ihr gesprochen wird.

 
Und dann wird es langsam leise. Die Passagiere schauen sich einen Film an oder lesen ein Buch. Andere schlafen bereits. Und so wird Amanda langsam etwas mutiger. Sie möchte einfach nur mal durch einen kleinen Spalt schauen, wie viele Menschen in dem Flugzeug sind. Und so rollt sie sich langsam und leise bis an die Kante der Gepäckbox.

 
Plötzlich wird es ganz hell und Amanda starrt auf zwei riesengroße, weit aufgerissene  Augen. Da schreit sie erschrocken auf! Und die Frau mit der dicken Brille vor ihr schreit auch vor Schreck! Die Frau knallt den Deckel zu und ruft um Hilfe.
 
Nachdem die Stewardess die Gäste beruhigt hat, öffnet sie ganz vorsichtig das Gepäckfach. Dort sitzt Amanda immer noch ganz erschrocken.

 
„Was ist passiert? Warum schreit die Frau um Hilfe? Ich mache doch gar nichts!“ Amanda ist ganz verwirrt.
 
Die Flugbegleiterin nimmt Amanda aus dem Gepäckfach, sieht sie an und meint: „Oh, ein blinder Passagier! Das müssen wir gleich dem Flugkapitän melden.“

 
Auf einem kleinen Tablett bringt die Stewardess Amanda ins Cockpit. Längst hat sie erkannt, dass es sich um die kleine Rennschnecke Amanda handelt denn die Geschichten von Amanda wurden übersetzt und auch die Kinder in Amerika und Australien lieben sie.
 

Dank ihres Schneckenschleimes hat der Pilot die Amanda ganz sicher an die Cockpitscheibe geklebt und so kann sie den ganzen Flug über hinaussehen.

 
In Australien angekommen, trifft Amanda das Känguru Felix, welches ihr weiter hilft. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.
Amanda - Ein Mut-mach-Buch mit Ausmalseiten für die ganze Familie
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